
Mit einigen Kollegen sprach ich am Funk über eine unglaubliche Meldung in der Kronenzeitung:
Diese Story aus Arkansas klingt beinahe zu unglaublich, um wahr zu sein. Aaron Spencer ist angeklagt, einen 67-jährigen Mann kaltblütig erschossen zu haben. Während er auf seinen Mord-Prozess wartet, beschloss der Angeklagte, den obersten Gesetzeshüter in Lonoke County herauszufordern. Mit Erfolg.
Der Armee-Veteran schlug jetzt bei den republikanischen Vorwahlen in Arkansas den amtierenden Sheriff John Staley und könnte im November dessen Amt übernehmen – falls er nicht hinter Gitter sitzt.
Spencer hatte am 8. Oktober 2024 gegen 1.30 Uhr den Notruf gewählt. Er gab an, seine Teenie-Tochter im Truck von Michael Fosler entdeckt zu haben. Dieser war drei Monate zuvor wegen Internet-Stalkings und sexuellem Missbrauch gegen die 14-Jährige verhaftet worden, kam aber trotz über 40 Anklagepunkten gegen 50.000 Dollar Kaution wieder frei.
Spencer machte seinen Fall zum Thema im Wahlkampf um den Sheriff-Posten. Er erklärte in einem Interview: „Zum Preis eines Rasenmähers kann man aus dem Gefängnis kommen, nachdem man ein sexuelles Verbrechen an einem Kind begangen hat.“
Es kam zur Konfrontation mit Fosler, bei der der tödliche Schuss fiel. Die Festnahme des Vaters und dessen Anklage wegen Mordes zweiten Grades sorgte in ganz Arkansas für riesige Empörung. Diese richtete sich insbesondere gegen Sheriff John Stanley, der die unpopuläre Entscheidung eisern verteidigte: „Auch wer einen Sexualverbrecher umbringt, muss sich vor dem Gesetz verantworten.“
Spencer, der bis zu seiner Verhandlung im Mai auf freiem Fuß bleiben darf, kündigte auf Facebook an, dass er Stanley den Job abjagen will: „Ich bin der Vater, der seine Tochter beschützt hat, weil das System sie im Stich gelassen hat“, schrieb er. Er kritisierte die Polizei und Justiz scharf und versprach mehr Sicherheit für alle 75.000 Einwohner von Lonoke County.
Seine Botschaft kam an. 53 Prozent der republikanischen Wähler gaben ihm ihre Stimme. Somit darf er im November gegen den demokratischen Kandidaten Brian Mitchell Sr. antreten, dem im erzkonservativen Lonoke County kaum Chancen eingeräumt werden. Es sei denn, er wird in seinem Prozess verurteilt.
Staatsanwalt kämpferisch: „Wir leben nicht im Wilden Westen“
Staatsanwalt Chuck Graham machte noch einmal klar, dass er sich nicht von seinem Vorhaben abbringen lassen wird, Spencer hinter Gitter zu bringen: „Wir leben nicht im Wilden Westen.“ Spencers Anwalt Michael Kiel Kaiser rechnet dagegen mit einem Freispruch für seinen „heldenhaften“ Mandanten: „Nach dem Gesetz von Arkansas hat er in Notwehr gehandelt, um sich und seine Tochter zu schützen.“
Dazu gab es auch einige Wortmeldungen meiner Funkkollegen. Bezeichne diese als Kollege 1, Kollege 2, Kollege 3 und Kollege 4.
Kollege 1: „Diese Meldung aus Arkansas klingt ja tatsächlich unglaublich. Tatsache ist, dass Spencer ja tatsächlich einen Mann erschossen hat.“
Kollege 2: „Natürlich hat der Staatsanwalt nicht ganz Unrecht, wenn er sagt, wir leben nicht im Wilden Westen.“
Kollege 3: „Allerdings behauptet der Anwalt von Spencer, dem vielleicht zukünftigen Sheriff, sein Mandant hätte sich sogar heldenhaft verhalten und hat nach dem Gesetz von Arkansas in Notwehr gehandelt, um sich und seine Tochter zu schützen. Freispruch für seinen heldenhaften Mandanten.“
Kollege 4: „Es stellt sich nun die entscheidende Frage, ist Spencer nun ein kaltblütiger Mörder, oder hat er tatsächlich nur in Notwehr gehandelt, um sich und seine Tochter zu schützen.“
Kollege 2: „Für mich ist es tatsächlich unvorstellbar, dass man, wie Spencer behauptet, zum Preis eines Rasenmähers aus dem Gefängnis kommen kann, nachdem man ein sexuelles Verbrechen an einem Kind begangen hat. Angeblich gab es über 40 Anklagepunkte.“
Kollege 3: „Bleibt nur zu hoffen, dass es ein gerechtes Urteil gibt. Viele werden hoffen, dass Spencer doch Sheriff wird.“