Älterer Beitrag

| Vermutlich für viele Leserinnen und Leser unvorstellbar, dass es im Wienerwald Bären gibt. Ein Funkkollege meinte: “Warum nicht? Erdbeeren, Himbeeren, Brombeeren und Heidelbeeren gibt es ja auch. Ach so, da sind Bären mit ä gemeint.” Dieses ganz besondere Ereignis liegt schon viele Jahre zurück. Als ich meinen Kollegen am Funk darüber erzählte, waren sie sehr erstaunt. Bin schon seit frühester Jugend ein leidenschaftlicher Radfahrer. Nachdem ich schon seit meiner Geburt in Wien wohne und da meinen Hauptwohnsitz habe, fahre ich auch recht gerne, falls es die Zeit erlaubt, mit meinem Rad ins Gütenbachtal. Es war an einem Samstag im Oktober, noch zeitig in der früh. Sehr dichter Nebel zog durchs Gütenbachtal. Bei meiner Rückfahrt wollte ich auch noch beim Pappelteich vorbeifahren. Bei einem Teil dieses Ausflugs musste ich, da es zum Pappelteich recht steil bergauf ging, das Rad auch schieben. Als ich am Waldrand bei einer sehr dichten Gebüschgruppe vorbeiging, bemerkte ich, im Abstand von ca. 5 Metern, den Hinterteil von einem sehr großen Tier. Dunkelbraunes sehr dichtes Fell – aber was war das für ein Tier? Hirsch und Rehe, da kenne ich die “Hinteransicht”. Für Reh, Wolf oder Fuchs war dieses Tier viel zu groß. Ein Bär im Wienerwald? Es wurde in den letzten Wochen schon öfter gesprochen, dass es angeblich auch Bären in Österreich geben soll. Zähle mich keinesfalls zu den ängstlichen Menschen, aber um ganz ehrlich zu sein, ein etwas mulmiges Gefühl hatte ich schon. Schob mein Fahrrad ganz vorsichtig bergauf Richtung Pappelteich, als mir ein Mann entgegenkam. Er grüßte mich und fragte, ob ich vielleicht zufällig sein schon wieder ausgebüxtes Lama gesehen hätte. Keinen Bären im Wienerwald, sondern ein Lama im Wienerwald hatte ich gesehen. Ging mit dem Mann wieder an die Stelle zurück, wo ich dachte, einen Bären gesehen zu haben. Wir brauchten nicht lange zu suchen, der Mann fand sein Lama wieder. Auch meine Funkkollegen waren etwas verwirrt, als ich ihnen von diesem Mann erzählte, der sein Lama suchte. Wer geht schon mit einem Lama im Wienerwald spazieren? Als ich mit diesem Mann und seinem Lama in Richtung Pappelteich ging, bemerkte ich eine größere Schafherde und noch ein Lama. Der Mann war also Schäfer (übrigens die Herde von der Gemeinde genehmigt). Er sagte mir noch: “Es wundert mich nicht, dass sie mein Lama von hinten für einen Bären gehalten haben. Hat ja wirklich ein Fell wie ein Bär und ausgefressen ist es auch. Nicht umsonst hat es den Spitznamen Bärli von mir bekommen.” Wünschte dem Schäfer noch einen schönen Tag und er möge gut auf sein “Bärli” aufpassen. Ein Kollege sagte noch am Funk: “Henry ich bin gar nicht so sicher, ob es mir nicht genau so ergangen wäre. Wer denkt schon daran, dass er im Wienerwald in einem dichten Gebüsch ein solch großes Tier entdeckt. Außerdem war es ja, wie du erzählt hast, auch noch sehr neblig. Aber so falsch bist du gar nicht gelegen. Es war kein Bär, sondern ein Bärli im Wienerwald.” |