
Mit einigen Kollegen sprach ich am Funk über eine kuriose Verfolgungsjagd.
Die Krone Zeitung berichtete:
Kuriose Verfolgungsjagd: Streifenwagen auf Flucht
USA. Nach Notruf raste ein Mann mit einem Einsatzauto davon und sorgte für ungewöhnliche Szenen auf der Autobahn
Der Fall hat mit einem Notruf beim Sacramento Police Departement begonnen. Eine Frau behauptete, ein Mann habe auf einem öffentlichen Parkplatz einen Eimer auf ihr Fahrzeug geworfen und sie mit einem Stock bedroht. Als zwei Beamte vor Ort eintrafen und das Statement der Frau aufnahmen, entdeckte sie ihren Angreifer am anderen Ende des Parkplatzes.
Die Polizisten rannten hinter dem Mann her. Der hängte die Cops ab, lief einen Bogen und sprang dann in den Streifenwagen des Duos. Mit Sirene und Blaulicht raste er davon.
Täter war mehrfach vorbestraft – lange in Haft
Ein Dutzend „Kollegen“ der California Highway Patrol nahm die Verfolgung auf. Erst als der Autodieb in der Kleinstadt Lodi abfuhr, konnte er von den Cops in die Zange genommen und gestoppt werden. Ein Polizeisprecher: „Es handelt sich um einen bereits mehrfach vorbestraften Mann namens Isaac Paval. Er konnte unverletzt festgenommen werden“. Der 28-Jährige befand sich nur auf Bewährung auf freiem Fuß und muss sich auf eine längere Haftstrafe einstellen.
Auch wenn am Ende alles gut ausging, gibt es ein Nachspiel für die Beamten. Der für die Polizei peinliche Vorfall wird intern untersucht. Laut einem Sprecher „werden wir Änderungen veranlassen, um ähnliche Situationen in Zukunft zu vermeiden.“
Dazu gab es auch einige Wortmeldungen meiner Funkkollegen. Bezeichne diese als Kollege 1, Kollege 2, Kollege 3 und Kollege 4.
Kollege 1: „Es ist weltweit sicherlich schon öfter vorgekommen, dass die Polizei einen kriminellen Straftäter, welcher mit einem Auto floh, diesen auch verfolgt hat. Kaum wird es aber vorgekommen sein, dass die Polizei einen kriminellen Straftäter, welcher selbst in einem gestohlenen Polizeiauto fuhr, verfolgt.“
Kollege 2 (sehr ausführliche Wortmeldung – alle haben brav zugehört): „Auch ich habe diese Meldung in der Kronen Zeitung gelesen. Aus reiner Neugierde habe ich auch noch gestern im Internet nachgesehen. Es stand ja in der Zeitung, dass der gestohlene Streifenwagen mit Sirene und Blaulicht davonraste. Ihr kennt mich ja alle schon lange und gut genug, ich bin eben ein Tüftler. Wieso fuhr der Streifenwagen mit Blaulicht? Hätte gedacht, dort gibt es für Einsatzfahrzeuge nur Rotlicht. Im Internet stand sogar recht ausführlich über diesen Vorfall und auch über Blaulicht und Rotlicht. Nachdem ich in letzter Zeit am Funk ohnehin keine allzu langen Durchgänge gemacht habe, lese ich euch vor, welche Informationen es da gab. Ja, die Meldung der Kronen Zeitung stimmt und die Polizei war in Sacramento tatsächlich sowohl mit Rotlicht als auch mit Blaulicht unterwegs. Die Vermutung ist absolut berechtigt, denn historisch und gesetzlich hat Kalifornien eine ganz besondere Regelung für Einsatzfahrzeuge. Das Gesetz in Kalifornien: Rotlicht ist Pflicht. Nach dem kalifornischen Verkehrsgesetz muss jedes autorisierte Einsatzfahrzeug im Dienst mindestens eine nach vorne gerichtete, konstant brennende rote Lampe eingeschaltet haben, die aus mindestens 300 Metern sichtbar ist. Reine „Blaulichtfahrten“, wie man sie aus Europa kennt, gibt es dort rechtlich nicht. Warum man trotzdem Blaulicht sieht? Seit den 1970er-Jahren erlauben die Gesetze in Kalifornien der Polizei, das gesetzlich vorgeschriebene rote Licht durch zusätzliches blaues Blinklicht zu ergänzen. Moderne Streifenwagen des Sacramento Police Department und der California Highway Patrol nutzen heute standardmäßig hochmoderne LED-Lichtbalken, die eine Kombination aus beiden Farben abfeuern. Dafür gibt es drei Hauptgründe: Bessere Sichtbarkeit: Blaues Licht sticht nachts und bei schlechter Witterung extrem heraus. Unterscheidung: Rote Rücklichter von normalen Autos können Bremslichter vortäuschen. Blau signalisiert sofort: Hier kommt die Polizei. Exklusivität: In Kalifornien ist blaues Licht an Fahrzeugen ausschließlich der Polizei und Strafverfolgung vorbehalten. Feuerwehr und Rettungsdienste nutzen Rot und Weiß, dürfen aber kein Blau verwenden. Wenn europäische Medien also von „Blaulicht“ bei US-Verfolgungsjagden schreiben, ist das zwar sprachlich etwas ungenau (da das dominierende Warnlicht nach vorne rot ist), aber visuell korrekt, da die modernen amerikanischen Warnbalken heute wild rot und blau durcheinanderblinken. Zum Hintergrund des Vorfalls (Juni 2026). Der von Ihnen erwähnte Vorfall ereignete sich erst vor wenigen Tagen in Sacramento: Ein Mann entzog sich einer Festnahme, sprang in einen unversperrten, laufenden Streifenwagen und raste damit über den Highway 99 in Richtung Lodi davon. Die Polizei verfolgte ihn mit zahlreichen Einheiten, bis er schließlich aufgab. Das war die sehr ausführliche Information aus dem Internet. Danke an euch alle, dass ihr mir so brav zugehört habt, zumindest hat mich keiner von euch unterbrochen.“
Kollege 4: „Wieso weißt du, dass wir dir alle so brav zugehört haben? Nachdem wir dich ja alle tatsächlich als Tüftler kennen, werden außer mir, vermutlich auch die anderen Kollegen brav zugehört haben. Wir Funker lernen auch ganz gerne immer ein bisschen dazu, und somit haben wir wieder etwas dazugelernt. Ganz wichtig ist bei diesem kuriosen Fall, dass man diesen mehrfach vorbestraften Mann erwischt hat und niemand verletzt wurde. Bin mir sicher, dass diese Verfolgungsjagd im Police Department Sacramento, den Beamtinnen und Beamten noch einige Zeit in Erinnerung bleibt.“
Kollege 1: „Finde, dass sich die Beamten in diesem besonderen Fall gar nicht so falsch verhalten haben. Nur einen Satz könnte man allen Polizistinnen und Polizisten weltweit noch mitgeben. Auf Einsatzfahrzeuge besser achten, denn auch sie können zur Flucht benützt werden.“